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Cyberonic's Blog - Eine Portion Dummheit
Kategorie Gesellschaft, Verfasst am 14.05.2011 um 05:39 Uhr
"Ohhh, das ist ja so toll. Und diese Farben." sagte die gerührte Besitzerin der neuen Einbauküche, während sie sich die Freudentränen aus dem Gesicht wischte.

Am liebsten würde ich erbrechen. Wenn ich einer korpulenten, eklatant nervigen Frau dabei zusehen wollte, wie sie anderer Leute Häuser renoviert, könnte ich auch einfach einen Blick über den Gartenzaun werfen.

- zapp -

"...und dann hat sich diese Schlampe einfach von dem Kerl da vögeln lassen." - "Haben Sie sie deswegen umgebracht?" - "ICH HABE SIE NICHT UMGEBRACHT"

Diese Gerichtsshows sind einfach eine Plage. Völlig deplatzierte Laiendarsteller liefern sich in jeder einzelnen Folge die kühnsten Wortschlachten, obwohl die deutlich in die Jahre gekommene Frau Salesch das ja gar nicht gerne in ihrem Gerichtssaal sieht. Schade eigentlich, denn wären die verhandelten Fälle nicht alle absolut lächerlich, hätte aus dem Format vielleicht was werden können. Doch so bin ich froh, dass Salesch, Hold und Co so langsam aus der Mode kommen.

- zapp -

"Vanessa ist seit drei Jahren arbeitslos. Vor 12 Uhr steht sie selten auf. Wenn sie sich aus dem Bett gequält hat, schaltet sie erst einmal den Fernseher an. Vanessa liebt Fernsehen."

Nach einem umfassenden Schwenk durch Vanessas Domizil bleibt die Kamera stehen. Zu sehen ist Vanessa bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Währenddessen stopft sie genüsslich Cheetos in sich hinein. Ich bin fasziniert. Nicht von Vanessas riesigem Mund, in den bis zu zwei Hände voll Cheetos gleichzeitig zu passen scheinen (womöglich will sie als einzige Errungenschaft in ihrem Leben wenigstens noch einen Darwin Award abstauben), sondern von der Dreistigkeit der Sendungsmacher. Solch eine Form von Meta-Fernsehen habe ich noch nicht erlebt. Ich als Zuschauer darf mir also tatsächlich geschlagene fünf Minuten anschauen, wie Vanessa sich irgendeine Zoo-Soap reinzieht.

Ich entscheide, dass die Portion Dummheit für diesen Tag ausgereicht hat und schalte den Fernseher aus. Es kommt wirklich nur noch Müll aus der Flimmerkiste. Sehnlich wünsche ich mir die Zeiten zurück, als es Sendungen wie Familienduell gab: "Nennen Sie etwas, das man schlägt." - "Ein Kind!" (» Youtube)

Das eigentlich schlimme ist aber nicht, dass die privaten Fernsehsender nur so viel geistigen Anspruch haben wie besoffene Bauarbeiter (man muss sich eben ans Volk anpassen), sondern, dass auch die öffentlich-rechtlichen etwas von ihrem noblen Weg gekommen sind. Vor fünf Jahren waren ARD und ZDF durchaus noch ansehnlich. Mittlerweile sind aber ernsthafte Bemühungen erkennbar, sich im Niveau der Sat1Pro7-Gruppe anzupassen. Der Bildungsauftrag wurde dabei längst durch Quotenschlachten mit den Privaten abgelöst. So ist es nicht verwunderlich, dass "Unser Star für Oslo" (die als Vorshow für den ESC wohl so nah an Bildung dran ist wie Guttenberg an Ehrlichkeit) in Kooperation mit Stefan 'Kommerz-Gandalf' Raab und Pro7 durchgeführt wurde. Aber hey, wenn ich in Zukunft mal nicht Raabs Schlaf-WM schauen will, kann ich ja getrost ins ARD schalten und dort zusammen mit Jauch zählen, wie unsere Gelder sich in Luft auflösen. Die Firma jenes Moderators bekommt von den Gebührenzahlern unter uns nämlich stolze 4.487 Euro in den Rachen geworfen. Pro Sendeminute. Was in aller Welt kann ein Moderator in einer einzigen Minute sagen, dass es so verdammt viel Geld wert ist? (1).

Es wäre allerdings unfair zu behaupten, die öffentlich-rechtlichen würden unsere Gebühren ausschließlich sinnlos verplempern. Seit einiger Zeit versuchen ARD und ZDf ja wenigstens auch das jüngere Publikum anzusprechen und expandieren ins Internet. Anstatt, dass sie dort aber ihre wenigen gute Formate auf Dauer konservieren, rufen sie mit www.royalty.de lieber die größte Monarchen-Klatschseite Deutschlands ins Leben. In Anbetracht dieser Entwicklung bin ich mir sicher, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis im Fernsehformat Doku-Soaps wie "Mitten in Merkel" hinzu kommen. Mal ehrlich: Die einzige noch halbwegs vernünftige Sendung ist die tagesschau.
Dafür brauch' man dann nichtmal Jauch, denn der Riewa, der tut's auch.

(1) http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/das-maerchen-vom-marktwert


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