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Cyberonic's Blog - Kein Hype, nur Frauen!
Kategorie Gesellschaft, Verfasst am 14.05.2011 um 22:48 Uhr
Es ist wieder soweit: Weltmeisterschaft 2011. Da ich mich gerade in der Blüte meiner körperlichen und geistigen Höchstform befinde, kann ich die WM und EM richtig genießen. Dieses Jahr wird es allerdings kein phänomänales Großereignis geben. Eine WM findet zwar statt. Es spielt aber nicht Jögi's Elf, sondern nur die Frauen. Da gibt's keinen Hype. "Warum eigentlich nicht, ist doch der gleiche Sport?" könnte man berechtigterweise fragen. Nun, Charlotte Roche würde kundtun wie empört sie darüber sei, dass der dünnflüssig-triefende Mösensaft unserer fussballerischen Topmodels unverständlicherweise immer noch nicht in der schwanzregierten Gesellschaft akzeptiert wäre. Ich selbst denke aber es liegt an etwas anderem. Genau genommen kann ich mir zwei Ansätze vorstellen, die betrachtenswert sind.

Erste Hypothese: Frauen können einfach kein Fussball spielen. Sie treten den Ball mit der ununterbotenen Souveränität meines 3-jährigen Cousins und obwohl sie mehr Selbstsicherheit haben als dieser FiLLy, müssen sie sie sich vor jedem Pass erstmal ein Thumbs-Up von Trainer Sheen abholen, um nicht für alle Ewigkit in Zweifeln über eine eventuell schlecht getroffene Entscheidung zu versinken. Da es sich bei Fussballspielerinnen grundsätzlich nur um unterirdisch dumme Blondinen handelt, haben sie auch keine Ahnung von Taktik und Teamplay.

Zugegebenermaßen ist dieses Gedankenkonstrukt natürlich kompletter Blödsinn. Frauen-Fussball allgemein mag eher das Niveau des Männerfussballs der 50er haben. Aber schließlich hat auch ganz Deutschland mitgefiebert als Turek wenige Sekunden vor Schluss eine Glanzparade hinlegte und damit den ersten Weltmeisterschaftstitel Deutschlands sicherte. Es ist ja auch nicht so, als ob sämtliche Spielerinnen nicht über die Eleganz einer schrottreifen Dampfwalze hinaus kämen. Ihr Spiel mag zwar nicht die gleiche Finesse haben wie das ihrer testosterongesteuerten Kollegen, einen entscheidenden Grund kann dies aber längst nicht darstellen.

Zweite Hypothese: Frauen spielen zu fair, es passiert nichts spannendes. Würde sich auch nur ein einzger Mensch auf der ganzen Welt noch die Formel 1 anschauen, wenn sie die Kollisionsabfrage aus Trackmania implementieren würden? Nein. Waghalsige Überholmanöver und beinahe-Crashs sind das einzige was die Menschen überhaupt dazu bringt sich den ganzen Sonntag mit leicht avancierten Bobbycars zu beschäftigen.

Männerfussball hingegen ist spannend. Neben einzigartigen Dribblings und klugen Teamspielen ziehen seit einiger Zeit aber auch neue Taktiken in die Fussballwelt: Extrem körperbetonte Spielweise. In manchen Spielen - z.B. allen WM 2010 Spielen der Niederlande - hat man den Eindruck, dass die Spieler keinerlei Bedenken haben, dem Gegner Ball nebst Zeugungsfähigkeit zu rauben. Mitunter wohl deswegen scheinen die heutigen Fussballspieler alle so wehleidig zu sein. Bei jedem Lüftchen schmeißen sie sich theatralisch mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Boden. Überhaupt kommt es einem bei manchen Mannschaften vor, als würden die Spieler mehr über den Platz rollen, als laufen. Sehr unterhaltsam für den Zuschauer am Fernseher ist ja auch, dass Spieler, die zusammenstoßen, sich grundsätzlich das Knie halten, während sie über den Boden kugeln, obwohl man in der Zeitlupe lächelnd beobachten kann, wie sie lediglich leicht am Arm touchiert wurden.

Diese körperbetonde Art zu spielen fängt bereits in der Kindheit an. Weil deutsche Städte ja alle kein Geld haben spielt man als Knabe nicht auf angenehm weichem Kunstrasen, sondern Schotter oder Beton. Wenn man in einem Zweikampf ab und zu eine Blutgrätsche abbekommt, meterweit über den Platz rutscht und die Knie beinahe so abgescheuert sind, dass die Knochen zum Vorschein kommen, versucht man aber wenigstens seine Tränen zu unterdrücken. Es ist ja eh niemand da, der einen bemitleiden würde. Das einzige was also bleibt, ist Satisfaktion zu verlangen und den Gegner selbst ordentlich umzusäbeln. Später als Nationalspieler denkt man sich wohl, dass der Schiedsrichter früher freilich auch auf Schotter gespielt hat, deshalb auch weiß wie schmerzhaft es ist. wenn man über den Haufen gerannt wird und er deswegen hoffentlich nicht zögert dem Gegner eine saftige rote Karte zu verpassen.

Das ist allerdings eine Denkweise, die primär der männlichen Jugend entwachsen ist und sich beim weiblichen Geschlecht nie so richtig durchsetzen konnte. Frauen denken anders. Frauen denken fairer. Deswegen spielen Frauen fairer und dem Spiel fehlt die nötige Brisanz, um die Spannung über die kompletten 90min aufrecht zu erhalten. Die Momente, die man als Zuschauer nämlich am längsten in Erinnerung hält, sind seltenst taktisch kluge Manöver oder exorbitant gutes Teamplay. Es sind immer einzigartige Dribblings oder eben Fouls, die im Gedächtnis bleiben. Man denke mal an Trautmann, der sich im FA Cup 1956 das Genick brach, das Spiel aber bis zum Ende durchstand. Oder Zidane mit seinem legendären Headbut im Finale der WM 2006. Doch solche Szenen sucht man im Frauenfussball vergeblich. Darum ist es langweilig. Und darum gibt es auch keinen Hype.


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